IKAM Arbeitsfelder Ärztearbeit

Der Facharztimpuls in der Anthroposophischen Medizin

„…denn ich meine, aus der Kraft dieses Erkennens würde ein Zusammenwirken der Ärzte im Interesse der menschlichen Gesundheit hervorgehen. Wenn der Arzt sich spezialisiert, so verliert er das Interesse für den Gesamtmenschen. Nun will ich gar nicht sagen, dass sich der Arzt nicht spezialisieren soll, weil einfach die Techniken, die auftreten im Laufe der Zeit, diese Spezialisierungen bis zu einem gewissen Grade hervorrufen. Aber wenn die Spezialisierung eintritt, so soll ja wiederum …. die Zusammenwirkung, die Sozialisierung der sich spezialisierenden Ärzte immer größer und größer werden.“ Steiner R. Geisteswissenschaft und Medizin GA 312, 7.4.1920. Dornach: Rudolf Steiner Verlag

Als Facharzt-Koordinatorin innerhalb der Medizinischen Sektion steht Marion Debus für die Unterstützung facharztbezogener Aktivitäten jeglicher Art als Ansprechpartner zur Verfügung. Diese wenigen Worte Rudolf Steiners aus dem Jahre 1920, als sich in der Medizin Facharzt-Spezialisierungen gerade erst anfänglich abzuzeichnen begannen, könnten fast hundert Jahre später, in Zeiten schwindelerregender Spezialisierung und Subspezialisierung, so etwas wie das Motto eines durch die Anthroposophische Medizin ganz neu gegriffenen Facharztimpulses werden. 

Viele junge Ärzte, die sich mit der Anthroposophischen Medizin verbinden, weil sie den Blick auf den „Gesamtmenschen“ suchen, befürchten, sich auf dem langen und anspruchsvollen Ausbildungsweg durch entsprechend ausgerichtete Schwerpunktkliniken bis zur Erlangung einer Facharztqualifikation zu verbiegen und das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren. 

Hinter dieser berechtigten Sorge verbirgt sich die große Chance, dass durch eine Vertiefung medizinischen Wissens auf einem speziellen Gebiet, wie es in der Facharztausbildung geschieht, das Wesen der Anthroposophischen Medizin umso deutlicher in Erscheinung treten kann. Auch im kleinsten Detail spricht sich ja immer der ganze Mensch aus. 

Durch Fokussierung auf die Behandlung bestimmter Krankheitsbilder entsteht zudem ein enormer Erfahrungsschatz, der die Möglichkeiten der Anthroposophischen Medizin besonders deutlich hervortreten lässt und ihr zu wachsender äußerer Anerkennung verhelfen kann. 

Und nicht zuletzt ist es für Patienten mit schweren oder komplizierten chronischen Erkrankungen ein Segen, die notwendige hochqualifizierte Spezialistenbehandlung ganz aus dem Geist der Anthroposophischen Medizin heraus zu erhalten. 

In dem Wunsch nach gemeinsamem fachbezogenen Erkenntnisfortschritt und Erfahrungsaustausch haben sich in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Anzahl an Facharztarbeitsgruppen gebildet, die sich mehrmals im Jahr zu intensiver gemeinsamer Arbeit treffen und auch offen für Teilnehmer aus dem Ausland sind. 

Dabei zeigt sich eine fruchtbare Ausstrahlung vieler Arbeitsergebnisse in die medizinische Bewegung: Neue Behandlungskonzepte für bestimmte Erkrankungen oder gar neue Medikamente wurden entwickelt und in Büchern oder Zeitschriftenartikeln veröffentlicht. Auch strukturierte Facharztweiterbildungen über mehrere Jahre gehen aus der gemeinsamen Arbeit hervor. 

Jede Gruppe hat im Laufe der Zeit ganz individuelle Arbeitsformen und –methoden entwickelt. Vielfach sind auch interessierte Allgemeinmediziner und Medizinstudenten willkommen. Bei Interesse an einer Teilnahme oder fachlichen Fragen stehen die Ansprechpartner der jeweiligen Arbeitsgruppen gerne zur Verfügung.

Dr. med. Marion Debus
Internationale Koordination Anthroposophische Fachärzte marion.debus@havelhoehe.de
www.havelhoehe.de
 
« zurück
 
Aktuelles