IKAM Arbeitsfelder Arzneimittel / Rechtsfragen

Rechtliche Situation der anthroposophischen Arzneimittel in Europa
Anthroposophische Arzneimittel sind ein wichtiger Baustein im Spektrum der Anthroposophischen Medizin. Sie unterliegen, wie alle Arzneimittel, grundsätzlich den Regeln des Europäischen Arzneimittelrechts und den entsprechenden jeweiligen nationalen Gesetzen. Diese Vorschriften werden durch das Europäische Arzneibuch, das deutsche Homöopathische Arzneibuch sowie den Anthroposophischen Pharmazeutischen Kodex (APC) konkretisiert und ergänzt. Der APC ist in Europa bisher in der Schweiz aber noch in keinem der zur EU gehörenden Staaten als offizielle Referenz anerkannt.

Anthroposophische Arzneimittel in der EU, Entwicklungen 2011
Anthroposophische Arzneimittel beziehungsweise anthroposophic medicinal products / AMPs sind zwar europaweit bekannter geworden, ihre rechtliche Sicherung und Verkehrsfähigkeit auf EU-Ebene ist jedoch noch nicht zureichend realisiert. Es fanden dazu diverse Veranstaltungen / Prozesse auf politischer sowie auch auf Fachebene statt: Dazu gehören z.B. das healthy breakfast des europäischen Dachverbandes homöopathischer und anthroposophischer Arzneimittelhersteller, ECHAMP / European Coalition on Homoeopathic and Anthroposophic Medicinal Products am
13.4.2011 im EU-Parlament mit Thema wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit in der Homöopathie und anthroposophischen Medizin, das Lunch Treffen der IVAA im europäischen Parlament am 10.5.2011 mit Thema anthroposophische Medizin sowie die Treffen mit EU-Kommissar John Dalli am 17.10.2010 mit ECHAMP und im Rahmen der Entgegennahme der Million Unterschriften der ELIANT Aktion am 13.5.2011.
Auch in den technischen Gremien in Europa sind AMPs nunmehr präsent: Die Kommission des Europäischen Arzneibuchs (das Arzneibuch ist eine legal bindende Sammlung von Qualitätskriterien) hat dieses Jahr die Übernahme von anthroposophischen Herstellungsverfahren nach homöopathischen Verfahrentechniken in das Europäische Arzneibuch bestätigt. Das bedeutet
beispielsweise, dass die Globuli-Herstellung nach wässrigem Verfahren, das vom Pionier der anthroposophischen Pharmazie Dr. Rudolf Hauschka mitentwickelt wurde, nunmehr einem europäischen Pharmaziestandard entspricht. Das Herbal Medicinal Products Committee / HMPC, der Londoner Arzneimittelagentur EMA / European Medicines Agency hat sich mit den anthroposophischen Mistelzubereitungen auseinandergesetzt. Obwohl eine positive Beurteilung auf Grund der aktuellen Datenlage für die HMPC noch nicht möglich ist, so ist die Mistel in der Onkologie dort erstmals ausführlich thematisiert worden.
Die Apothekerverbände Verband für Anthroposophisch erweiterte Pharmazie in der Schweiz sowie die Gesellschaft anthroposophischer Apotheker in Deutschland tragen beide Bemühungen voran, weitere Definitionen und Qualitätsstandards in den jeweiligen nationalen Arzneibüchern, Pharmacopoeia Helvetica beziehungsweise Deutsches Arzneibuch, zu implementieren. Diese Arbeit kommt schrittweise voran.
Auf Ebene der international organisierten Industrie, d.h. ECHAMP, musste jedoch ein Rückschlag entgegengenommen werden, d.h. konkret, der Austritt der Heel-Gruppe. Als ECHAMP-Vorstandsmitglied hoffe ich, dass die Kooperation mit der Firma Heel auf der Projektebene weiter geführt werden kann.
Die Ausarbeitung eines legalen Systems für Therapiesysteme durch ESCAMP, European Scientific Cooperative on Anthroposophic Medicinal Products, konnte weitergefürt werden: Es fanden Treffen mit europäischen Behördenvertretern sowie mit anderen Dachverbänden statt. Die grundlegenden wissenschaftlichen Gedanken sowie der Weg, den erwünschten sozialen Einfluss zu erreichen, wurden während der Jahreskonferenz der Medizinischen Sektion im September vorgetragen. 2011 war ein Jahr von Investitionen. In 2012 wird es Aufgabe sein, die angelegten Wege weiter zu
verfolgen mit dem Ziel AMPs voll in die EU-Gesetzgebung zu integrieren.
 
Kontakt:
Dipl. Pharm. Christiaan Mol
Vorstand International Association
of Anthroposophic Pharmacists,
Vorstandsmitglied ECHAMP
E-Mail: christiaan.mol@wala.de
 
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